Die nachfolgenden Gedichte sind in verschiedensten Lebensphasen entstanden. Wenn auch nur hin und wieder am Rande meines Alltags auftauchend, so sind sie dennoch, trotz der vielen wundervollen beruflichen Projekte, die Quintessenz meines Seins und Schaffens - dies bin und war ich. Einiges ist sozusagen taufrisch, anderes bereits zehn, zwanzig oder gar dreißig Jahre alt (oh Mann!). Früher waren hier mal mehr Gedichte (und eine Menge Aphorismen) eingestellt, aber einiges habe ich rausgenommen.

Das höchste Schweben und das tiefste Leiden...


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(Corona-Nacht, 28. März 2020, 04.35 Uhr)


Möge dies eine Chance sein

Ich merke, wie mich danach hungert,
mich mit Menschen zu umgeben, die das Herz am rechten Fleck tragen.
Ich merke, wie mich danach hungert,
offen zu sein und einander wirklich zu begegnen.

Ich merke, wie mich danach hungert zu sagen:
ja, auch ich leide,
ja, auch ich weine,
ja, auch ich bin einsam immer wieder.

Ich merke, wie mich danach hungert,
alles loszulassen, was mich quält,
was uns trennt,
mit sanftem Blick eure Not zu erkennen, als wäre es die meine.

Ich merke, wie mich danach hungert zu sagen:
ja, auch ich bin schwach,
ja, auch ich brauche Hilfe,
ja, auch ich suche, wie wir alle.

Ich liege wach, zur Unzeit, wie so oft,
und merke, wie etwas passiert, das ich nicht revidieren kann.

Ich sehe Menschen, die Bögen umeinander gehen,
die Mantelkrägen hochgeschlagen,
den Blick verschlossen,
isoliert in der urgeigensten Hülle.

Ich merke, wie mich danach hungert zu sagen:
fürchtet euch nicht,
schon gar nicht voreinander,
denn was könnte schlimmer sein als ebendies.

Ich merke, wie mich danach hungert,
mit meinem alten Leben aufzuhören,
zu beginnen,
um am Ende einen neuen Anfang zu wagen, ohne Angst.

Möge dies eine Chance dazu sein.

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(2020, immer noch an der Front)


Im Nordwesten nichts Neues

Sechzehn Jahre Krieg
Und tausend Jahre Hölle
Und nirgends ein Ende in Sicht
Wie sehr ich es hasse
Dieses: Aufstehen, Kamerad
Mitten in der Nacht
Hinaus ins Feuer
Und vorwärts
Gnadenlos
Wo alles stets noch schmerzt von der gestrigen Schlacht
Blutet
Und niemals so wirklich heilen kann
Und so raffe ich mich hoch
Mit letzter Kraft
Weil es keine Alternative dazu gibt
Nur Aufgabe und Tod
Über Gräber taumelnd
In Gräbern liegend
Dem Grabe entfliehend
Allein auf weiter Flur
Müde wie tausend Mann
Erschaudernd
Leer
Zerschossen
Und unendlich tapfer

Was ich einfach nicht fassen kann:
Dass ich immer noch laufe
Dass ich immer noch hoffe
Dass ich hier schon mal war

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(2019, nicht zu fassen)



Mein Suchen


Ein Herz, das mich behütet
Das sanfte Dinge sorgsam sagt
Und wenn das Schicksal in mir wütet
An meiner Seite nicht verzagt

Meine Seele glatt zu streichen
Etwas Trost, wenn ich mal wein
Ein liebes Wort mir reichen
Und auch in Ferne nah mir sein

Eine Aussicht aufzuzeigen
Wenn ich mal den Blick verlier
Und die Schulter an mich neigen
Wenn ich fröstel oder frier

Ich brauche nicht das Krasse
Will kein Brodeln im Vulkan
Ich mag Tee in meiner Tasse
Und auf dem See den Schwan

Zeig mir einen, der nicht leidet
Der nicht schwer am Alter trägt
Hinter Masken wohl verkleidet
Wenn das Blute pochend schlägt

Ich such niemand, der mich rettet
Nur ne Stütze, wenn man fällt
Eine Hand, die ungekettet
Meine Drachenschnur festhält

Am Himmel hoch zu schweben
Raschelnd-buntes Wunder sein
Brauch nen Anker, um zu leben

Sink zu Boden ganz allein

Und natürlich gilt all dies

Auch gespiegelt, ist doch klar

Ein Stückchen Himmelsparadies

Und fest im Sturme bin ich da


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Am Campingsee

Und wieder einmal merke ich
Fast möchte ich sagen: zu guter Letzt
Wie sehr ich außen vor von allem bin
Wie anders
Wo rundherum nur Holz und Eisen zu finden sind
Das Leben so selbstverständlich greifend
Wie geht das?
Im Wasser zu planschen
Ohne bis in die Knochen zu frieren
Wie geht das?
In Zelten zu liegen
Und tatsächlich zu schlafen
Wie geht das?
Den Grill zu häufen am Abend so opulent
Und nächtens nicht zu wimmern vor Pein
Dies und tausend Weiteres
Wie geht das???
Wo ich schon gegen das Allerkleinste so unendlich empfindsam bin
So leicht zu knicken
Keine Blüte mehr
Keine Blume
Kein geschmeidig gebogener Stengel
Vertrocknet und brüchig und welk
Wankend im Wind
Im Marke jäh erschüttert von beinahe nichts
Zerrieben
Zerbröselt
Und meine Sporen vom leisesten Hauch über fremde Felder geweht
Fern
So unsagbar fern

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Zauberweg


Wie oft ging ich schon dort

Am See auf altbekannten Wegen

Und sprach ein stilles Wort

Saß träumend auf den Stegen


Was brachte ich an Leiden

An manchen Tagen her

Und weinte auf den Weiden

Und trug im Herzen schwer


Ich drehte meine Runden

Stets im selben Kreis
Und kühlte tiefe Wunden
Im Winter auf dem Eis


Und nun, kaum hundert Meter weiter

Da öffnet sich ein Tor

Und eine Zauberleiter

Schiebt leise sich empor


Ich tret mit leichtem Schritte

Und weiter Seele ein

Und spür in meiner Mitte

Ich wander nicht allein


Als weht' ein neues Leben

Mit mir den Pfad hinauf

In allem ist ein Schweben

Bis zu den Wolken rauf


Das goldne Frühlingsssehnen
Das gestern ich erst sah
Ich möchte mich dranlehnen

Und wünschte, du wärst da


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Juli(a)


In allem ist ein Sehnen
Und jedes Sehnen ist ein Traum
An dich mich anzulehnen
In jenem fernen Raum

Wo ich und du sich betten
Wo meine Seele ruht
Wo sich dunkle Wogen glätten
Und alles wird dort gut

Das Neue und das Alte
Zu einem Netz verbinden
Wo müde ich dich halte
Und schlafend wir uns finden


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Wir

Die Welt verschwindet ganz und gar
Und alles schwebt im Dämmerlicht
Dein riesengroßes Augenpaar
Und nichts hat mehr Gewicht

Ein Blick, der in die Seele schaut
Ein Staunen, wie am ersten Tag
Die allerweichste Streichelhaut
Und der wärmste Herzensschlag

Ich trink aus deiner Quelle
Und atme dich wie Luft
Die Fingerkuppenzauberstelle
Und der feinste Engelsduft

Ich find an deiner Seite
Was auch immer ich erbitte
Das Nahe und das Weite
Trifft sich in unsrer Mitte

Die Zeit hört auf zu rinnen
Und vereint das Ich zum Wir
Ich spür mit allen Sinnen
Und zerfließ so sanft in dir

Wir liegen engumwunden
Im schönsten Himmelszelt
In Liebe tief verbunden
Und nirgends eine Welt

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Die vielen, vielen anderen Gedichte sind derzeit rausgenommen und alles ist "under construction"...