1995 tauschte Reinhard Staupe sein Studium der Grundschulpädagogik gegen dern Beruf des Spiele-Erfinders ein. Seither wurden weltweit mehr als 100 Titel von ihm veröffentlicht. Von 1996 - 2001 war Reinhard Staupe als Redakteur für das mehrfach ausgezeichnete Autorenprogramm der Berliner Spielkarten verantwortlich, anschließend arbeitete er als Produktmanager für die Amigo Spiel + Freizeit GmbH. Nach zehnjähriger Tätigkeit für Amigo wechselte Reinhard Staupe im Januar 2012 zu den Nürnberger Spielkarten, wo er verantwortlich das Kartenprogramm betreut. Neben der redaktionellen Arbeit widmet sich Reinhard Staupe zuletzt wieder verstärkt dem Spieleerfinden sowie seiner zweiten großen Leidenschaft, dem Schreiben.

You're talking to me? (1969)

Reinhard Staupe in Stichpunkten:

Geboren am 20. September 1968 in Kassel.
Abitur 1988, danach Zivildienst.
Ursprünglicher Berufswunsch: Fußballprofi. Aufgabe wegen Knieproblemen.
Alternativer Berufswunsch: Drehbuchautor. Ablehnung auf Filmhochschule.
Studium Grundschullehramt, Mathematik und Sport.
Erstes Spiel 1988: „3-Denk". Unveröffentlicht, zu Recht.
Erste Vertragsabschlüsse: „Kunterbunt" und „Blütenhupfer-Farbentupfer", wieder zu Recht, 1994.
Ende 1995 Gründung Eigenverlag „Staupe Spiele".
Von 1996 bis 2001verantwortlicher Redakteur Autorenprogramm „Berliner Spielkarten."
Von 2001 – 2005 Produktmanager bei der Firma "Amigo Spiel + Freizeit GmbH“. 
Von 2005 -2011 externer, redaktioneller Mitarbeiter bei Amigo.
Seit 2012 verantworlicher Redakteur bei den Nürnberger Spielkarten.
6 Nominierungen „Spiel des Jahres".

Schnellstes Kartenspiel der Welt und Megaseller: Speed (Blink)
Speed/Blink-Gesamtauflage: 3 Millionen.
Größte Enttäuschung: „Colorado County". Verkannt wegen angeblich grottenhässlicher Graphik.
Favorit der eigenen Spiele: Kunterbunt (einmal-im-Leben-Mechanismus) und Privacy (wegen seiner durch und durch positiven Atmosphäre).
Seit 2010: Postkartentexter für die Grafikwerkstatt Bielefeld

Seit 2011: stolzer Vater eines Sohnes.
Wohnort: In der Nähe von Bremen.




I'm walking (1974)

Ausführliches Autorenportrait

Gespielt hat Reinhard Staupe schon immer. Zunächst als kleiner Steppke im Familienkreis die Klassiker Dame, Mühle, Halma, Romme und Canasta, wenig später dann mit Vater, Onkel und seinen Brüdern Skat, Schach und Monopoly. Dass sein Weg irgendwann mal zum Spielerfinden führen könnte, zeigte sich ansatzweise bereits im Alter von zwölf Jahren, als Reinhard Staupe an den hessischen Schachmeisterschaften teilnahm und vor dem Schlusstag auf Platz 3 lag. Und was machte er? Anstatt sich auszuruhen und früh schlafen zu gehen, entwickelte er eine Schachvariante und probierte sie bis nachts um vier aus. Tja, das war’s dann mit der Qualifikation zur deutschen Meisterschaft…

Hmm, Pirat?

Oder Kapitän?

Oder doch lieber König?


Die Idee zu seinem ersten „richtigen“ selbstentwickelten Spiel kam Reinhard Staupe 1989, kurz nach dem Abitur, beim Betrachten eines Strommastens: "Ich sah die Querverstrebungen und wusste: Daraus mache ich ein Spiel!" In den folgenden Wochen bastelte er mit viel Mühe ein Drahtgittermodell und entwickelte die Regeln zu einem dreidimensionalen Denkspiel für zwei Personen. Dann wandte er sich an "Ravensburger" und erkundigte sich, was er tun müsse, um ein selbst erfundenes Spiel zu vermarkten. Als Antwort bekam er den "Leitfaden für Spieleerfinder" von Tom Werneck zugeschickt. Das Buch war für seinen weiteren Weg zum erfolgreichen Spielemacher von entscheidender Bedeutung: Jede Menge nützliche Adressen und gute Tipps! In Zeiten ohne Internet und Computer eine unentbehrliche Hilfe.
Doch zunächst konnte der Kasseler weder sein dreidimensionales Denkspiel noch ein gutes halbes Dutzend weiterer Spiele, die er entwickelte, an den Mann bringen. Aus heutiger Sicht völlig zu Recht, wie er meint: "Allesamt etwas kopflastig, zu abstrakt, viel zu aufwendig in der Produktion." Die unendlich lange und frustrierende Absage-auf-Absage-Periode von 1989 bis 1993 betrachtet er denn auch als seine Lehrzeit: "Ich werde nievergessen, wie ich tagtäglich auf den Briefträger gewartet habe. Meistens hatte er nichts für mich, und falls doch, dann war es eine Absage. Und noch eine. Und noch eine. Dutzende. Jahrelang. Grausam."

1993 beschloss Reinhard Staupe, künftig kleine, schnell erklärte, pfiffige Kinder- und Kartenspiele zu entwickeln. Ein Entschluss, der sich letztlich als goldrichtig erweisen sollte. Doch bevor er damit einen Treffer landen konnte, wurde sein Durchhaltevermögen erneut auf eine harte Probe gestellt. "Kunterbunt" und "Das Tal der Schmetterlinge" waren lange Zeit aussichtsreich bei Ravensburger in der engeren Auswahl und wurden dann doch noch abgelehnt. Ein herber Schlag, der Reinhard Staupe nahe daran brachte aufzugeben: "Einmal versuch ich's noch", und wenn's dann nicht klappt höre ich auf".
Und dann war es soweit! An seinem Samstag im Mai lag ein Brief von F.X. Schmid im Briefkasten. Nur ein Brief, ziemlich dünn. Kein Paket mit Prototyp-Rücksendung. Schnell aufgerissen - und endlich war es wahr: ein Vertrag! Nein gleich zwei!! Für Kunterbunt und das Schmetterlingsspiel: "Der wahrscheinlich glückserfüllteste Moment meines Lebens. Ich habe so lange darauf gewartet, dass es wie eine Supernova in mir explodierte!"




Unglaublich, unfassbar, doch endlich wahr: ein Spiele-Vertrag! (1994)


1995 wurden "Kunterbunt" und Blütenhupfer-Farbentupfer" dann veröffentlicht. Ein stolzer Moment!
Im gleichen Jahr kam es während des Göttinger Autorentreffens zu einer schicksalhaften Begegnung, die Reinhard Staupe von Null auf Hundert durchstarten lassen sollte, und die mittlerweile zu einer der ganz großen Geschichten der noch recht jungen Spieleszene zählt.

Obwohl Reinhard Staupe bereits die Veröffentlichung der beiden Kinderspiele bei F.X. Schmid vorweisen konnte und einen weiteren Vertrag für den (späteren) Bestseller "Solche Strolche" in der Tasche hatte, lehnten drei Großverlage seinen Prototypen mit dem verheißungsvollen Titel "Speed" ab. >Nicht genügend Wiederspielreiz< hieß es da (so kann man sich irren!) Diesem glücklichen Umstand ist es zu verdanken, dass der Prototyp schließlich auf einem der Tische des alljährlichen Autorentreffens in Göttingen landete; eine ganz kleine Idee unter vielen anderen.
Der bis dato nur eingefleischten Spielefreaks bekannte Kleinverleger Karsten Adlung ließ sich das Spiel geschwind erklären und war davon dermaßen begeistert, dass Reinhard Staupe die Zustimmung zur Veröffentlichung gab. Im Oktober 1995 kam "Speed" dann auf den Markt und wurde im Jahr darauf für das "Spiel des Jahres" nominiert. Es gilt anerkanntermaßen als schnellstes Kartenspiel der Welt und beweist seine Qualität als Dauerbrenner Jahr für Jahr aufs Neue. Die Auflagenhöhe liegt weltweit mittlerweile bei weit über 3 Millionen. 2008 wechselte der Topseller in den USA von der Firma Out of the Box zum Weltgiganten Mattel.

Es regnet Blumen: Speed wird für das Spiel des Jahres nominiert. (1996)


Über 100 Veröffentlichungen hat Reinhard Staupe seit 1995 vorzuweisen. Zwei Dinge sind für ihn dabei ganz wichtig: Zum einen sollen seine Spiele Spaß machen - klar! Zum anderen sollen sie aber auch gleichzeitig möglichst leicht verständlich und einfach zugänglich sein. "Zu große Komplexität und Kompliziertheit schrecken viele Gelegenheitsspieler ab. Solche Spiele sind von mir nicht zu erwarten. Meine Spiele sollen Menschen unterhaltsam zusammenbringen."

Im Dezember 1995 gründete der Spielerfinder zusammen mit seinem Bruder Andreas den Eigenverlag "Staupe Spiele". Produziert wurden hier ausschließlich Spiele im Mini-Format mit 33 Karten in einer Faltschachtel; keine Luft in der Schachtel, kein unnötiger Schnickschnack - reduziert auf das Wesentliche. Alles getreu dem Motto: Kleinstes Format - größtes Vergnügen! "Wir haben im Grunde just for fun begonnen, und sind vom Erfolg unserer kleinstformatigen Spiele selbst überrascht." Die erste Veröffentlichung dieser Reihe, "Ikarus", erhielt in der Fachpresse hervorragende Kritiken und wurde von den Endverbrauchern begeistert aufgenommen. Das war Ansporn genug, konsequent in dieser Richtung fortzufahren. Das zweite Spiel machte "Staupe Spiele" dann auch sogleich einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Das wunderbar kommunikative Versteigerungsspiel "Comeback" wurde 1997, genau wie "Speed" im Jahr zuvor, für den Spiele-Oscar "Spiel des Jahres" nominiert. Rückblickend betrachtet bezeichnet Reinhard Staupe die Spiel-des-Jahres-Nominierung von "Comeback" als den wahrscheinlich wichtigsten Schritt zum Spiele-Profi: die Vertriebskooperation mit den Berliner Spielkarten kam zustande.

Der Produzent der kleinen Staupe Spiele, die „Berliner Spielkarten", erkannte die fachliche Kompetenz des Jungautors, nahm ihn 1996 als Redakteur unter Vertrag und beauftragte ihn mit der Konzeption eines neuen Programm-Segments: den Autoren-Kartenspielen. Die neue Reihe feierte 1997 Premiere und wurde bis zum Firmen-Verkauf der Berliner Spielkarten im Jahr 2001 konsequent und sehr erfolgreich ausgebaut.


Irgendwo in Frankreich (2001)


Im Jahr 2003 erschienen die ehemaligen Staupe-Spiele dann als so genannte „Gelbe Reihe“ bei der Firma Amigo und als Lizenzausgaben bei Playroom Entertainment in den USA. Die Kombination aus tollen Ideen, wunderschönen Illustrationen und kindgerechtem Material wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet: Spiel gut, Auswahlliste Kinderspiel des Jahres und Deutscher Lernspielpreis 2007. Mit Beginn des Jahres 2008 sind alle Spiele der Gelben Reihe in wunderschönen und äußerst robusten Metallboxen erhältlich. Dass Reinhard Staupe auch bei den Brettspielen sein Handwerk versteht, stellte er gleich mit seinem ersten „Großen" eindrucksvoll unter Beweis: „Basari" wurde 1998 für das Spiel des Jahres nominiert und scheiterte nur knapp. Dass im gleichen Jahr auch noch das Kartenspiel „David & Goliath" eine Nominierung erhielt, soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden. Im Brettspielbereich folgten „Colorado County" und „Eschnapur" (Schmidt Spiele), „Edel, Stein & Reich“ (Alea/Ravensburger, Auswahlliste Spiel des Jahres), "Cincinatti" (Amigo), "Havanna" (Eggertspiele) und "Don Quixote" (Pegasus). Außerdem noch das legendäre Partyspiel „Privacy“ bzw. "Pricay 2" und "Privacy Chili" (Amigo), das auf äußerst sympathische Weise die intimsten Erlebnisse der mitspielenden Gruppe lüftet – jedoch ohne die Geheimnisse des Einzelnen preiszugeben!

Bonny & Clyde (2005)




Hauptgewinn (2011)




Zuckerwattenwirbelwind (2012)



Groß knipst Klein (2014)



Klein knipst Groß (2014)


Auf die Frage, was ihm denn am Spieleerfinden besonders gut gefällt, benennt der gebürtige Kasselaner zwei Dinge: „Zum einen das Bewusstsein, dass ein Produkt im Regal anfänglich nicht mehr war als ein winziger Gedankenfunke in meinem Kopf. Zum anderen die vielen netten Bekanntschaften, die man im Laufe der Zeit am Rande macht, und die völlig unabhängig sind von Geschäft und Vertrag - Zwischenmenschliches eben."
Und das Negative? „ Die ewig langen Wartezeiten von der Idee bis zur Veröffentlichung. Außerdem die magere Entlohnung der Spieleerfinder (die viel niedriger ist, als sich das die Leute zumeist vorstellen können). Und Kritiker, die einfache Spiele aus einer allzu anspruchsvollen Perspektive abqualifizieren und die dann auch noch behaupten, oben wäre unten. Hinter jedem Spiel stecken unendlich viel Zeit und Mühe und Hoffnung. Da kann man nicht einfach mit oberflächlichem, abgehobenem Blick und spitzer Feder drüberwischen. Das ist arrogant. Und daran werde ich mich nie gewöhnen."


 

Ohne Hund geht gar nicht (2017)

Anfang Juli 2001 wechselte Reinhard Staupe von den Berliner Spielkarten zur Firma Amigo Spiel & Freizeit GmbH. Dort betreute er bis 2005 verantwortlich als Produktmanager die Spieleredaktion und war nachfolgend auf eigenen Wunsch als externer Mitarbeiter für Amigo tätig. Mit Beginn des Jahres 2012 wechselte er von Amigo zur Nürnberger Spielkarten GmbH, wo er verantwortlich den Aufbau eines neuen Autorenprogramms betreut. Gleich das erste dort veröffentlichte Spiel, das wunderbare Würfelspiel "Qwixx" (nominiert zum Spiel des Jahres 2013), wurde zum Knaller. Mehr als 500.000 Exemplare in gerade mal 3 Jahren geben zur Hoffnung Anlass, dass es tatsächlich das werden wird, was Reinhard Staupe schon bei seinem allerersten Testspiel auf dem Wohnzimmerteppich prophezeihte: ein Millionenseller, das neue Kniffel. Und, unfassbar aber wahr, 2015 legte Reinhard Staupe redaktionell nach: Das von ihm umgesetzte Spiel "The Game" wurde ebenfalls als einer von drei Titeln für das Spiel des Jahres nominiert.

Seit 2010 schreibt Reinhard Staupe Postkartentexte für die wundervolle Grafik Werkstatt Bielefeld. Er lebt in der Nähe von Bremen.

Still crazy after all these years (2054)